Finanzierungsangebot und Kreditprüfung
Rahmenplan 3.6, 3.7 · Kosten- und Finanzierungsplan, Unterlagen, Auszahlung, MaBV, Kreditfähigkeit, Kreditwürdigkeit, Haushaltsrechnung, Tragfähigkeit.
Kurz & knapp
- Finanzierungsangebot: Gesamtaufwand → Eigen-/Fremdmittel → Finanzierungsplan → Kapitaldienst.
- Unterlagen: Ausweis, 3 Gehaltsabrechnungen + Dezember, Steuerbescheide 2–3 Jahre, Kontoauszüge 3 Monate, Schufa; Selbstständige: BWA + 3 Jahresabschlüsse. Objekt: Grundbuch ≤ 3 Monate, Lageplan, Flächen, Grundrisse, Baubeschreibung, Fotos, Kaufvertragsentwurf, Energieausweis; WEG: Teilungserklärung.
- Auszahlung Kauf: Fälligkeitsmitteilung + Grundschuld eingetragen oder Notarrangbestätigung.
- Neubau: MaBV 30 % nach Erdarbeiten, Rest 70 % auf 12 Abschnitte; 13 Schritte in max. 7 Raten.
- Kreditprüfung = Kreditfähigkeit + persönliche und materielle Kreditwürdigkeit + Beleihungswert.
- Pflicht: § 505b BGB, § 18a KWG, § 15a VAG; Tragfähigkeit vor Sicherheit.
- Kontenwahrheit § 154 AO; Legitimation: Ausweis bzw. Registerauszug + Vertreter.
- Pauschalen Berater: 800–1.000 € je Erwachsenem, 250 € je Kind, 200 € je Kfz, 3–4 €/m²; Miete zu 70 %; alternativ max. 40–45 % des Nettos.
Das Finanzierungsangebot
Kosten- und Finanzierungsplan
| Position | € | Bemerkung |
|---|---|---|
| Grundstück / Kaufpreis | 54.000,00 | 900 m² |
| Grunderwerbsteuer 5 % | 2.700,00 | |
| Notar- und Gerichtskosten 2 % | 1.080,00 | |
| Maklercourtage 3,57 % | 1.927,80 | |
| Grundstück gesamt | 59.707,80 | |
| Baunebenkosten (Architekt / Energieberater) | 6.000,00 | |
| Gebäude | 80.000,00 | |
| Arbeiten (Maler, Fliesen, Anschlüsse) | 20.000,00 | |
| Heizung / Sanitär | 54.000,00 | |
| Elektrik | 23.000,00 | |
| Photovoltaik / Speicher | 25.000,00 | |
| Carport / Garage | 8.000,00 | |
| Küche | 7.500,00 | |
| Außenanlagen und Sonstiges | … | |
| Herstellungskosten gesamt | 352.500,00 | |
| Finanzierungsbedarf | 412.207,80 | |
| − Eigenkapital | 50.000,00 | |
| = Fremdkapital | 362.207,80 |
| Position | € |
|---|---|
| Kaufpreis (inkl. Erschließung) | 495.000,00 |
| Grunderwerbsteuer 6,5 % | 32.175,00 |
| Notar- und Gerichtskosten 2 % | 9.900,00 |
| Maklercourtage 3,57 % | 17.671,50 |
| Erwerbsnebenkosten | 59.746,50 |
| Finanzierungsbedarf | 554.746,50 |
| − Eigenkapital | 80.000,00 |
| = Fremdkapital | 474.746,50 |
- Im Kreditantrag (Selbstauskunft) stehen: Angaben zu allen Antragstellern (Beruf, Einkommen, Familienstand, Kinder), Ausgaben, Vermögen, Verbindlichkeiten, das Objekt, der Kosten- und Finanzierungsplan und die gewünschten Darlehensbausteine (Betrag, Zinsbindung, Tilgung, Sondertilgung).
- Der Antrag muss stimmig und vollständig sein: Zahlen aus Selbstauskunft, Gehaltsnachweisen, Kontoauszügen und Kaufvertrag müssen zusammenpassen. Unvollständige Unterlagen verzögern die Entscheidung.
Kreditarten nach der Besicherung
Einzureichende Unterlagen
Bonitätsunterlagen
| Arbeitnehmer / Rentner | Selbstständige |
|---|---|
| Personalausweis (Vorder- und Rückseite) oder Reisepass mit Meldebestätigung; Nicht-EU-Bürger: unbefristeter Aufenthaltstitel | ebenso |
| Gehaltsabrechnungen der letzten 3 Monate, Dezemberabrechnung des Vorjahres, Bezügemitteilung, Rentenbescheid | Steuerbescheide und -erklärungen der letzten 2–3 Jahre, aktuelle BWA, letzte drei Jahresabschlüsse (EÜR / GuV / Bilanz) |
| Steuerbescheide der letzten 2–3 Jahre, Renteninformation | Renteninformation |
| Kontoauszüge der letzten 3 Monate, Schufa bzw. Creditreform | ebenso |
| Vermögensnachweise: Bankguthaben, Depots, Rückkaufswerte von Lebens- und Rentenversicherungen, weitere Immobilien | ebenso |
| Nachweis privater Kranken- und Pflegeversicherung | ebenso |
| Bestehende Verbindlichkeiten (Kredit-/Leasingverträge), Unterhaltspflichten (Titel, Scheidungsurteil) | ebenso |
Objektunterlagen
| Objektunterlagen | Bestand | Neubau | erhältlich bei |
|---|---|---|---|
| Grundbuchauszug (nicht älter als 3 Monate) | ✓ | ✓ | Grundbuchamt, Makler |
| amtlicher Lageplan / Flurkarte | ✓ | ✓ | Katasteramt, Bauträger |
| Wohn- und Nutzflächenberechnung, umbauter Raum | ✓ | ✓ | Architekt, Bauträger, Hausverwalter |
| Grundrisse, Schnitte, Ansichten, Baubeschreibung | ✓ | ✓ | Architekt, Bauträger |
| Aufstellung der Modernisierungen der letzten 15 Jahre | ✓ | Verkäufer | |
| Objektfotos (außen und innen) | ✓ | eigene Unterlagen, Makler | |
| Kaufvertragsentwurf bzw. Kaufvertrag | ✓ | ✓ (Grundstück) | Notar, Makler |
| Energieausweis | ✓ | ✓ | Energieberater, Schornsteinfeger |
| Mietverträge bei Vermietung | ✓ | Hausverwaltung | |
| Baugenehmigung oder Bauantrag, Baukostenaufstellung / Bauwerkvertrag, Eigenleistungsaufstellung, Nachweis Effizienzhaus 40 | ✓ | Bauamt, Bauträger, Architekt | |
| Erbbaurechtsvertrag | bei Erbbaurecht | bei Erbbaurecht | Notar |
| Teilungserklärung, Protokolle der Eigentümerversammlung, Wirtschaftsplan | bei Wohnungseigentum | bei Wohnungseigentum | Verwalter |
Auszahlungsvoraussetzungen
- Kaufpreisfälligkeitsmitteilung des Notars
- Grundschuld eingetragen, oder Notarrangbestätigung als vorübergehender Ersatz (bei langer Bearbeitung im Grundbuchamt)
- alle im Vertrag vereinbarten Auflagen erfüllt (z. B. Eigenkapital eingezahlt, Versicherungsnachweis)
- Auszahlung dann meist in einer Summe
- Auszahlung nach Baufortschritt: nach MaBV höchstens 7 Teilbeträge
- Nachweis über Baustandsberichte oder Gutachter der Bank
- Verzögert sich der Bau: Bereitstellungszinsen nach Ablauf der freien Zeit
- Handwerkerrechnungen vorher über ein Baukonto (Zwischenfinanzierung, höhere Bauzeitzinsen)
Kreditwürdigkeitsprüfung
- Der Darlehensgeber muss die Kreditwürdigkeit vor Vertragsschluss prüfen: § 505a BGB (Prüfpflicht; bei negativem Ergebnis kein Vertrag), § 505b BGB (Grundlage: notwendige, zutreffende Auskünfte über Einkommen, Ausgaben, Vermögen und Verbindlichkeiten, bei Bedarf beim Kunden erfragt und überprüft), § 18a KWG und die Immobiliar-Kreditwürdigkeitsprüfungsleitlinien-Verordnung (ImmoKWPLV); Versicherer nach § 15a VAG.
- Beim Immobiliar-Verbraucherdarlehen darf der Vertrag nur geschlossen werden, wenn es wahrscheinlich ist, dass der Kunde seine Pflichten vertragsgemäß erfüllt. Die Prüfung darf sich nicht hauptsächlich darauf stützen, dass der Wert der Immobilie steigen oder den Darlehensbetrag übersteigen wird (§ 505b Abs. 2 BGB).
- Der Prüfungsprozess muss genau definiert und dokumentiert sein. Fehler haben Folgen für den Darlehensgeber (§ 505d BGB: Zinsermäßigung, fristlose Kündigung ohne Vorfälligkeitsentschädigung).
- Verboten: Konten oder Schließfächer unter falschem oder erdichtetem Namen; Pflicht: Gewissheit über Person und Anschrift jedes Verfügungsberechtigten, alphabetisches Verzeichnis; Verstoß → Sperrung.
- Natürliche Person: Personalausweis oder Reisepass mit Meldebescheinigung.
- Einzelunternehmer (e. K.), OHG, KG: aktueller beglaubigter Handelsregisterauszug.
- Juristische Person des privaten Rechts (GmbH, AG, e. V., eG): aktueller beglaubigter Registerauszug.
- Juristische Person des öffentlichen Rechts: nach Satzung, Verordnung, Gesetz. GbR: meist Gesellschaftsvertrag.
- Immer zusätzlich: persönliche Legitimation der handelnden Vertreter.
Kreditfähigkeit
Kreditfähig ist, wer rechtswirksam einen Kreditvertrag schließen kann: voll geschäftsfähige natürliche Personen, juristische Personen und Personenhandelsgesellschaften (vertreten durch ihre Organe). Minderjährige nur mit Zustimmung der gesetzlichen Vertreter und Genehmigung des Familiengerichts.
Persönliche Kreditwürdigkeit
- „Kredit“ kommt von lateinisch credere = glauben: Der Kreditgeber glaubt daran, dass der Kreditnehmer zurückzahlt.
- Scoring (Kreditgeber oder Auskunfteien): statistisches Verfahren zur schnellen Risikoklassifizierung, vor allem bei standardisierten Raten- und Kleinkrediten. Merkmale: Beruf, Arbeitgeber, Familienstand, Wohngegend, Umfeld, Kontoführung im eigenen Haus, positive und negative Schufa-Merkmale → Punktbewertung.
- Ein schlechtes Scoring verschlechtert die Konditionen oder führt zur Ablehnung.
Materielle Kreditwürdigkeit
Frage: Kann der Kunde nachhaltig (heute und künftig) aufgrund seiner wirtschaftlichen Verhältnisse Zins und Tilgung in der vereinbarten Zeit leisten? Die Finanzkrise hat gezeigt, wie riskant großzügige Kreditvergabe ist; der Staat verlangt seitdem strengere Maßstäbe. Nötig sind Selbstauskünfte aller Kreditnehmer über Einkommen, Ausgaben, Vermögen und Verbindlichkeiten.
Haushaltsrechnung und Haushaltspauschalen
| Hauptantragsteller | weiterer Antragsteller | je Kind | Kfz | Nebenkosten Haus | |
|---|---|---|---|---|---|
| Bank A | 600 € | 600 € | 250 € | k. A. | k. A. |
| Bank B | 900 € | 900 € | 250 € | 200 € | k. A. |
| Bank C | 650 € | 650 € | 250 € | 200 € | 3 €/m² |
| Bank D | 800 € | 800 € | 250 € | 200 € | inkl. |
| Empfehlung für den Berater | 800–1.000 € | 250 € | 200 € | 3–4 €/m² |
- Die Pauschalen umfassen grundsätzlich Lebensmittel, Bekleidung, Kommunikation, Kinderbetreuung, Hausrat- und Haftpflichtversicherung, Freizeit, Bildung.
- Nicht enthalten: z. B. die Kosten einer Privatschule; sie sind gesondert als laufende Ausgabe anzugeben.
- Richtwerte (Übung der Unterlage): 750 bis 1.250 € je erwerbstätiger Person, für Kinder mindestens das Kindergeld, pro Fahrzeug 200 €. Jede Bank hat eigene Vorgaben, daher weichen Haushaltsrechnungen stark ab.
- Eine solide Rechnung schützt auch den Berater: bei unsoliden Prämissen drohen Haftungsansprüche.
Tragfähigkeit der Finanzierung
- Verfügbares Einkommen und notwendige Kreditrate gegenüberstellen; laufende Kosten und Erträge der Immobilie einrechnen.
- Langfristig denken: Einkommensänderungen (Elternzeit, Teilzeit, befristeter Vertrag, Renteneintritt) und Zinsänderung bei Prolongation (Stresstest mit höherem Anschlusszins).
- Renovierungsrückstau und laufende Instandhaltung berücksichtigen (Heizung, Dach, Fenster, energetische Pflichten).
- K.-o.-Kriterien: harte Negativmerkmale in der Schufa (z. B. Insolvenz, Vollstreckung), fehlende Nachweise, Probezeit oder unsicheres Einkommen, Rate nicht tragbar, Laufzeit weit über den Rentenbeginn ohne ausreichende Rente, Objekt nicht beleihbar (erhebliche Mängel, schwer verwertbar).
Übungsfragen
Wie in der IHK-Prüfung: etwa 70 % Einfachauswahl, 30 % Mehrfachauswahl (☑, Punkt nur bei vollständig richtiger Auswahl). Nach jeder Antwort erscheinen Lösung, Erklärung und der passende Lernstoff.
Kennzeichnung: WBT … = aus deinen Unterlagen · Rahmenplan = Prüfungsstoff laut DIHK-Rahmenplan, Inhalt ergänzt · Extern = nicht aus deinen Unterlagen (typische IHK-Themen, aktuelle Werte).
Rechner
Werte ändern: alles rechnet sich sofort neu. Die Beispiel-Knöpfe laden die Zahlen aus dem Lernstoff.
Haushaltsrechnung und tragbare Rate
Eingaben
Ergebnis
Mini-Prüfung
5 Fragen, Auswertung am Ende
Wie in der Prüfung: keine Lösung zwischendurch. Mindestens 4 / 5, damit das Kapitel als „sitzt“ zählt.