Konditionen und Zinsrechnung
Rahmenplan 3.4, 3.5 · Besicherung und Zins, Effektivzins, Disagio, Zinsbindung, Tilgung, Sondertilgung, Laufzeit, Restschuld, Barwert.
Kurz & knapp
- Konditionen = mehr als der Zins: Effektivzins, Beleihungsauslauf, Disagio, Zinsbindung, Tilgung, Sondertilgung, Restschuld, Laufzeit.
- 1a bis 60 % BLW (niedrigster Zins), 1b 60–80 % (nachrangig, teurer), Blanko > 80 %.
- Beleihungsauslauf = Darlehen / Beleihungswert × 100 (300.000 / 350.000 = 85,71 %).
- Disagio: Bruttodarlehen = Bedarf × 100 / (100 − Disagio) → 100.000 / 0,95 = 105.263,16 €; niedrigerer Sollzins, höherer Effektivzins.
- Festzins: nach 10 Jahren mit 6 Monaten kündbar (§ 489 Abs. 1 Nr. 2); variabel mit 3 Monaten.
- Sondertilgung: üblich 5 % oder 10.000 € p. a.; senkt Laufzeit oder Rate; ggf. Zinsaufschlag.
- Laufzeit: 2 %/1 % ≈ 55 Jahre, 5 %/1 % ≈ 37 Jahre. Volltilger = Laufzeit gleich Zinsbindung.
- Restschuld = K − T1 × (qⁿ − 1)/(q − 1) → 100.000, 5 %/1 %, 10 J. = 87.422,11 €.
- Barwert K0 = Kn / (1 + i)ⁿ → 100.000 in 15 J. bei 4 % = 55.526,45 €.
Konditionen im Überblick
- Sollzinsen hängen ab vom allgemeinen Marktniveau, der Zinsform (variabel/fest), der Dauer der Zinsbindung, der Tilgungshöhe und Sonderwünschen (Sondertilgung, Tilgungswechsel).
- In Deutschland überwiegen Festzinsvereinbarungen: beide Seiten sind gebunden. Steigt das Zinsniveau, hat der Kunde einen Vorteil; fällt es, möchte er aussteigen (kostet Vorfälligkeitsentschädigung). Banken sichern das Zinsrisiko ab oder refinanzieren sich fristenkongruent (z. B. über Pfandbriefe).
Zinshöhe in Abhängigkeit von der Besicherung
| Teil | Besicherung | Risiko / Zins |
|---|---|---|
| 1a: Realkredit bis 60 % des Beleihungswerts | erstrangiges Grundpfandrecht innerhalb der Beleihungsgrenze (§ 14 PfandBG: pfandbrieffähig) | niedrigstes Ausfallrisiko → niedrigster Zins |
| 1b: 60–80 % des Beleihungswerts | nachrangige Grundpfandrechte | höheres Ausfallrisiko → höherer Zins, Bonität wichtig |
| Blankoanteil: über 80 % | ungedeckter Personalkredit, stark auf Bonität gestellt | nur bei sehr guter Bonität, hohe Zinsen (evtl. über Kontokorrent) |
Effektiver Jahreszins
- Der effektive Jahreszins zeigt die gesamten Kosten (Zinsen + sonstige Kosten) als Jahresprozentsatz; er macht Angebote vergleichbar.
- Er steht im ESIS-Merkblatt, im Vertrag und in jeder Werbung mit Zinsangaben (repräsentatives Beispiel).
- Einzubeziehen sind u. a. Kosten für ein verpflichtendes Konto und die Immobilienbewertung, wenn sie Voraussetzung für das Darlehen ist.
- Nicht einzubeziehen: Notarkosten, Gebühren für die Eintragung der Eigentumsübertragung, Kosten bei Vertragsverletzung, freiwillige Zusatzleistungen (Liste in der PAngV).
Disagio
- Auszahlung unter 100 % (z. B. 95 %), Zinsen aber auf den vollen Nennbetrag: der Kunde zahlt Zinsen für Geld, das er nicht erhalten hat.
- Dafür ist der Sollzins niedriger → geringere laufende Belastung. Nur sinnvoll mit festem Sollzins.
- Gründe: Liquidität (niedrigere Rate) und Steuern (bei Vermietung marktübliches Disagio bis 5 % sofort als Werbungskosten absetzbar).
- Weil die Bank den Betrag gleich zu Beginn einbehält, ergibt sich meist ein höherer effektiver Jahreszins.
Zinsfestschreibung und variabler Zins
- feste Kalkulationsgrundlage für beide Seiten
- Schutz vor steigenden Zinsen
- bei niedrigem Zinsniveau: möglichst lange festschreiben
- fallen die Zinsen, profitiert der Kunde nicht
- vorzeitiger Ausstieg nur mit berechtigtem Interesse und Vorfälligkeitsentschädigung
- längere Bindung kostet meist einen Zinsaufschlag
- Darlehen mit festem Sollzins kann der Kunde nach 10 Jahren ab vollständigem Empfang mit einer Frist von 6 Monaten kündigen, ohne Vorfälligkeitsentschädigung (§ 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB). Deshalb waren Bindungen über 10 Jahre für Banken lange schwer kalkulierbar.
- Endet die Zinsbindung vor dem Ende der Laufzeit, ist die Kündigung frühestens zum Ende der Bindung mit 1 Monat Frist möglich (§ 489 Abs. 1 Nr. 1 BGB).
- Variabler Zins: jederzeit mit 3 Monaten Frist kündbar (§ 489 Abs. 2 BGB).
Zum variablen Zinssatz (EURIBOR, Cap, 3-Monats-Kündigung) siehe Kapitel F1.
Tilgungssatz und Sondertilgungen
- Tilgung = planmäßige und außerplanmäßige Rückzahlung. Bei Vertragsschluss erhält der Verbraucher einen Tilgungsplan über die gesamte Laufzeit (Art. 247 § 6 EGBGB).
- Varianten: Tilgung am Ende (Festdarlehen), gleichbleibende Tilgung (Tilgungsdarlehen), Tilgung zuzüglich ersparter Zinsen (Annuitätendarlehen).
- Eine höhere Tilgung verkürzt die Gesamtlaufzeit, sodass die Restnutzungsdauer der Immobilie (Gesamtnutzungsdauer i. d. R. 80 Jahre nach ImmoWertV 2021 minus Alter) nicht überschritten wird und das Darlehen vor Rentenbeginn getilgt ist; sie kann auch zu einem besseren Zins führen.
- Tilgungssatzwechsel: manche Verträge erlauben, die Tilgung z. B. zwischen 2 und 4 % an die Lebensumstände anzupassen (begrenzt oft auf wenige Wechsel).
- Bauspardarlehen: jederzeit, auch vollständig
- variabler Zins: beliebig mit 3 Monaten Kündigungsfrist
- Festzins: nur mit individueller Vereinbarung, z. B. 5 % der Darlehenssumme oder bis 10.000 € pro Jahr
- senkt die Restschuld; wahlweise sinkt die Laufzeit (Rate bleibt) oder die Rate (Laufzeit bleibt)
- für vereinbarte Sondertilgungen keine Vorfälligkeitsentschädigung
- Achtung: Sondertilgungsrechte können einen Zinsaufschlag kosten
- Tilgungsfreie Anlaufjahre (z. B. bei KfW-Krediten oder während der Bauphase) entlasten zu Beginn die Liquidität: nur Zinsen.
- Nachteil: Die Schuld sinkt in dieser Zeit nicht → höhere Gesamtzinsbelastung, danach höhere Rate oder längere Laufzeit, größere Restschuld am Ende der Zinsbindung.
- Vergleich mit Konditionen ohne tilgungsfreie Zeit immer über Gesamtkosten und Restschuld.
Kalkulatorische Gesamtlaufzeit
| Sollzins ↓ / Tilgung → | 1 % | 2 % | 3 % | 4 % | 5 % |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 % | 69,7 | 40,7 | 28,9 | 22,4 | 18,3 |
| 2 % | 55,5 | 35,0 | 25,8 | 20,5 | 17,0 |
| 3 % | 46,9 | 31,0 | 23,4 | 18,9 | 15,9 |
| 4 % | 41,0 | 28,0 | 21,6 | 17,7 | 15,0 |
| 5 % | 36,7 | 25,7 | 20,1 | 16,6 | 14,2 |
| 6 % | 33,4 | 23,8 | 18,9 | 15,7 | 13,5 |
Restschuld
- Grundgedanke: Bei gleicher Annuität ist das Angebot mit der geringsten Restschuld am Ende der Zinsbindung das günstigste. Nur bei gleicher Zinsbindungsdauer anwendbar.
- Haben Angebote unterschiedliche Raten, die Differenz beim Angebot mit der niedrigeren Rate als zusätzliche Tilgung ansetzen („Lücke füllen“).
- Einmalige Kosten (Schätzgebühren) rechnerisch wie ein Disagio behandeln; laufende Kosten als Zinsaufschlag.
Barwert
Zinsrechnung
| Aufgabe | Rechenweg |
|---|---|
| Rate bei Zins- und Tilgungssatz | Jahresrate = Darlehen × (Zins + Tilgung); Monatsrate = Jahresrate ÷ 12 |
| Tilgungssatz bei gegebener Rate | Tilgung = (Jahresrate ÷ Darlehen) − Zins |
| Gesamtrate mit Koppelungsprodukt | Zinsen des tilgungsfreien Darlehens + Sparbeitrag (Bausparvertrag, Versicherung) |
| Zinsen für einen Zeitraum | Zinsen = Kapital × Zinssatz × Tage ÷ 360 (Bankenmethode) bzw. × Monate ÷ 12 |
Übungsfragen
Wie in der IHK-Prüfung: etwa 70 % Einfachauswahl, 30 % Mehrfachauswahl (☑, Punkt nur bei vollständig richtiger Auswahl). Nach jeder Antwort erscheinen Lösung, Erklärung und der passende Lernstoff.
Kennzeichnung: WBT … = aus deinen Unterlagen · Rahmenplan = Prüfungsstoff laut DIHK-Rahmenplan, Inhalt ergänzt · Extern = nicht aus deinen Unterlagen (typische IHK-Themen, aktuelle Werte).
Rechner
Werte ändern: alles rechnet sich sofort neu. Die Beispiel-Knöpfe laden die Zahlen aus dem Lernstoff.
Restschuld und Gesamtlaufzeit
Eingaben
Ergebnis
Disagio: Bruttodarlehen berechnen
Eingaben
Ergebnis
Barwert (Abzinsen)
Eingaben
Ergebnis
Mini-Prüfung
5 Fragen, Auswertung am Ende
Wie in der Prüfung: keine Lösung zwischendurch. Mindestens 4 / 5, damit das Kapitel als „sitzt“ zählt.