Finanzierungsbedarf, Eigen- und Fremdmittel
Rahmenplan 3.3 · Erwerbskosten, Nebenkosten, Finanzierungskosten, Kapitalbedarf, Eigenmittel, Fremdmittel, maximaler Kredit und Kaufpreis.
Kurz & knapp
- Kosten = Erwerbskosten + direkte Nebenkosten (GrESt, Notar/Grundbuch, Makler 3,57 %) + Finanzierungskosten + Sonstiges.
- Finanzierungskosten: Schätzgebühren, Bereitstellungszinsen, Teilvalutierungszuschläge, Bauzeitzinsen, Disagio, Notar/Grundbuch für die Grundschuld.
- Kapitalbedarf − Eigenkapital − Eigenleistungen = Fremdkapitalbedarf.
- Eigenmittel: Guthaben, Wertpapiere, Bausparguthaben, LV-Rückkaufswert, Eigenleistung (oft max. ~20.000 €), Grundstück. Reserve und Altersvorsorge schonen.
- Fremdmittel: Verwandte, Arbeitgeber, Förderkredite, Bauspardarlehen, Banken, Versicherungen.
- Max. Darlehen = Jahresbelastung × 100 / Annuitätssatz (18.000 / 6 % = 300.000 €).
- Max. Kaufpreis = (Darlehen + EK) / (1 + Nebenkostenquote) (350.000 / 1,1057 = 316.541,56 €).
Kostenarten beim Immobilienerwerb
- Grundstückskosten: Kaufpreis für Grund und Boden + Erschließungskosten (Anschlüsse für Gas, Strom, Trink- und Abwasser, Telefon; Freimachen, Freiräumen, Vermessung, Bodengutachten). Steuerlich nicht abschreibbar.
- Herstellungskosten beim Neubau: Baustelle einrichten (Baustrom, -wasser, -zaun), Erdarbeiten, Keller/Bodenplatte, Gewerke (Rohbau, Dach, Putz, Elektrik, Heizung, Fenster, Böden, Treppen, Maler), Carport/Garage, Außenanlagen. Bei Vermietung AfA-Bemessungsgrundlage.
- Baunebenkosten: Bauberatung, Architekt, Statik, Gebühren (Baugenehmigung), Richtfest, Versicherungen (Bauherrenhaftpflicht, Bauleistungsversicherung).
- Bestandsimmobilie: Kaufpreis + Sanierungs-/Modernisierungskosten (bei Vermietung abschreibungsfähig).
Direkte Erwerbsnebenkosten
Beim Kauf oder Bau fallen neben dem Kaufpreis oder den Herstellungskosten an: Grunderwerbsteuer (ca. 3,5–6,5 %), Notar- und Grundbuchgebühren, Maklercourtage (bei Wohnimmobilien i. d. R. 3,57 % inkl. Umsatzsteuer). Bei Fremdnutzung werden die anteiligen Kosten mit dem Gebäudewert abgeschrieben.
Indirekte Erwerbsnebenkosten (Finanzierungskosten)
| Finanzierungskosten | Erklärung |
|---|---|
| Schätz-/Wertermittlungsgebühren | Kosten für die Bewertung der Immobilie durch die Bank |
| Bereitstellungszinsen | für den noch nicht abgerufenen Teil des Darlehens nach Ablauf einer bereitstellungsfreien Zeit (typisch 0,25 % pro Monat, also 3 % p. a.): wichtig beim Neubau |
| Teilvalutierungszuschläge | Zinsaufschlag bzw. Gebühr, wenn das Darlehen in mehreren Teilbeträgen ausgezahlt wird |
| Bauzeit-/Zwischenfinanzierungszinsen | Zinsen während der Bauphase ohne Nutzung des Objekts (Doppelbelastung mit Miete!) |
| Disagio (Damnum) | Abschlag bei der Auszahlung, z. B. 95 % statt 100 % |
| Notar/Grundbuch für die Grundschuld | Bestellung und Eintragung der Sicherheit (die Grundschuld selbst ist kein Kostenfaktor, sondern Sicherheit) |
| Vermittlungsgebühr, Kontoführung, Bauspar-Abschlussgebühr | sonstige Kosten der Finanzierung |
Kapitalbedarf und Finanzierungsbedarf
- Grundstückskosten
- + Baukosten
- + Baunebenkosten
- + Erwerbsnebenkosten
- + Finanzierungskosten
- + Zusatzkosten
- = Gesamter Kapitalbedarf
- − Eigenkapital
- − Eigenleistungen
- = Fremdkapitalbedarf
- Kaufpreis
- + Erwerbsnebenkosten
- + Finanzierungskosten
- + Zusatzkosten (z. B. Renovierung)
- = Gesamter Kapitalbedarf
- − Eigenkapital
- − Eigenleistungen
- = Fremdkapitalbedarf
Eigenmittel
| Eigenmittel | Vorteile | Nachteile / Beachten |
|---|---|---|
| Kontoguthaben | i. d. R. kurzfristig verfügbar, 100 % anrechenbar | Verzicht auf Verzinsung; Liquiditätsreserve behalten |
| Wertpapiervermögen | börsentäglich liquidierbar | ggf. Verluste beim Verkauf, Kursschwankungen, Sperrfristen |
| Bausparguthaben | zweckgebunden fürs Wohnen, zugeteilter Vertrag bringt zinsgünstiges Darlehen | Kündigungsfristen, vor Zuteilung ggf. Verlust von Vorteilen |
| Lebensversicherung | Rückkaufswert klar definiert | Altersvorsorge wird angegriffen, Versicherungsschutz reduziert, Verzicht auf Verzinsung, Stornoabzüge |
| Eigenleistungen („Muskelhypothek“) | bei fehlendem Eigenkapital eine gute Alternative | Überschätzung der eigenen Möglichkeiten; Banken erkennen oft höchstens ca. 20.000 € an |
| Vorhandener Grundbesitz | z. B. lastenfreies Baugrundstück im Eigentum des Kunden beim Neubau | Wert muss nachgewiesen werden |
- Liquiditätsreserve behalten (z. B. drei Netto-Monatseinkommen) für Reparaturen, Arbeitslosigkeit, Krankheit: nicht das gesamte Vermögen einsetzen.
- Altersvorsorge nicht ohne Not auflösen (Lebensversicherung, Riester), sonst entsteht eine Versorgungslücke.
- Vorteile hoher Eigenmittel: niedrigerer Beleihungsauslauf → besserer Zins, geringere Rate, schnellere Entschuldung. Nachteil: Vermögen gebunden, Reserve fehlt.
Fremdmittel und Kreditgeber
Was kann sich der Kunde leisten?
Übungsfragen
Wie in der IHK-Prüfung: etwa 70 % Einfachauswahl, 30 % Mehrfachauswahl (☑, Punkt nur bei vollständig richtiger Auswahl). Nach jeder Antwort erscheinen Lösung, Erklärung und der passende Lernstoff.
Kennzeichnung: WBT … = aus deinen Unterlagen · Rahmenplan = Prüfungsstoff laut DIHK-Rahmenplan, Inhalt ergänzt · Extern = nicht aus deinen Unterlagen (typische IHK-Themen, aktuelle Werte).
Rechner
Werte ändern: alles rechnet sich sofort neu. Die Beispiel-Knöpfe laden die Zahlen aus dem Lernstoff.
Kaufnebenkosten und Darlehensbedarf
Eingaben
Ergebnis
Maximales Darlehen und maximaler Kaufpreis
Eingaben
Ergebnis
Mini-Prüfung
5 Fragen, Auswertung am Ende
Wie in der Prüfung: keine Lösung zwischendurch. Mindestens 4 / 5, damit das Kapitel als „sitzt“ zählt.