Wirtschaft, Markt, Geldpolitik, Verzinsung
Rahmenplan 2.11 · Preisbildung, Immobilienmarkt, Konjunktur, EZB, BaFin, Basel, Wirtschaftspolitik, Zinsniveau, Annuität.
Kurz & knapp
- Gleichgewichtspreis: Angebot = Nachfrage. Preis zu hoch → Angebotsüberhang; zu niedrig → Nachfrageüberhang.
- Vollkommener Markt: homogen, keine Präferenzen, Transparenz, sofortige Reaktion (Börse). Immobilienmarkt: unvollkommen, heterogen, Teilmärkte, geringe Angebotselastizität.
- Verkäufermarkt = Angebotsmarkt (Nachfrage > Angebot); Käufermarkt = Nachfragemarkt (Überangebot).
- Konjunktur: Aufschwung → Boom → Abschwung → Tiefstand. Antizyklisch: im Boom Zinsen rauf, in der Rezession runter.
- EZB: Preisstabilität (heute 2 % symmetrisch); 2 Säulen (wirtschaftlich / monetär); Instrumente: Offenmarktgeschäfte, ständige Fazilitäten, Mindestreserve.
- BaFin: Banken (KWG), Versicherungen (VAG), Wertpapiere (WpHG). Basel I 8 % EK · Basel II 3 Säulen · Basel III nach Finanzkrise · Basel IV Output Floor 72,5 %.
- Stabilitätsgesetz 1967: magisches Viereck (Preisniveau, Beschäftigung, Wachstum, Außenwirtschaft) → Sechseck.
- Mietrecht: 15 Monate Wartefrist, Kappungsgrenze 20 % / 3 Jahre (15 % in Sondergebieten), Mietpreisbremse +10 %.
- Annuität = Darlehen × (Zins + Tilgung); Tilgungssatz = Annuität / Darlehen − Zins.
Nutzen, Risiken und gute Beratung
Gründe für den Immobilienerwerb: Altersvorsorge, Wohnqualität, Kapitalanlage, Rentabilität (Wertsteigerung), staatliche Förderung, Statussymbol. Risiken: Mittel werden lange gebunden, der Kunde überschätzt seine finanziellen Möglichkeiten, biometrische Risiken, Zinsänderungsrisiko, Konjunkturabschwung (Mieten sinken), staatliche Auflagen zur Energieeffizienz.
Eine gute Beratung (nach DIN SPEC 77233: Datenaufnahme, Machbarkeit, Stresstest, Vorbereitung der Finanzierung) umfasst Datenaufnahme, Kreditrisikotragfähigkeit, Stresstest, Sicherungsmaßnahmen und die optimale Finanzierung. Vorteile für den Vermittler: schnellere Kreditentscheidung und Auszahlung, Cross-Selling (Absicherung der biometrischen und Objektrisiken), Betreuung bis zur Prolongation oder Umschuldung, Empfehlungen.
Markt und Preisbildung
- homogene Güter (gleich in Art und Güte)
- keine Präferenzen (persönlich, räumlich, zeitlich)
- vollständige Markttransparenz
- sofortige Reaktion aller Marktteilnehmer
- → einheitlicher Preis für gleiche Güter
- Immobilien sind heterogen, keine direkte Vergleichbarkeit
- Käufer und Verkäufer haben Präferenzen (Lage!)
- tatsächliche Kaufpreise meist nicht veröffentlicht: keine echte Transparenz
- geringe Angebotselastizität: Planung, Genehmigung und Bau dauern lange
- viele Teilmärkte mit wenigen Anbietern und Nachfragern
- staatliche Regeln (Förderung, Steuern, Mietpreisbremse)
- Nachfrage nach Immobilien ist größer als das Angebot
- Verkäufer bestimmen die Konditionen
- Preise steigen
- Überangebot an Immobilien
- Käufer können frei wählen und bestimmen meist den Preis
- Preise sinken in der Regel
| Bereich | Inhalt |
|---|---|
| Kreditgeber | Geschäfts- und Privatbanken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Pfandbriefbanken, Bausparkassen, Versicherungen, Förderbanken (KfW, Landesförderinstitute) |
| Kreditvermittler | Immobiliardarlehensvermittler nach § 34i GewO, Vermittlungsplattformen, Tippgeber (nur Namensnennung, keine Beratung) |
| Preisbeeinflussende Akteure | Bauunternehmen, Architekten und Ingenieure, Immobilienfinanzierer, Vermittler, Verwalter, Vermieter, Staat |
| Immobilienobjekte | eigengenutzt, fremdgenutzt (vermietet), gewerblich genutzt, gemischt genutzt |
| Preisfaktoren | Lage, Nachfrage, Nutzungsmöglichkeit, Zustand, Baukosten, Zinsniveau und Finanzierungsangebot, Einkommen, Bevölkerungsentwicklung, Mietpreise |
Konjunkturzyklen
| Aufschwung bis Boom | Abschwung bis Talsohle |
|---|---|
| steigende Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen | kaum oder keine Zunahme der Nachfrage, sinkende Auftragseingänge |
| steigende Produktion und Kapazitätsauslastung | sinkende Produktion, geringere Auslastung |
| steigende Nachfrage nach Arbeit, steigende Einkommen | steigende Arbeitslosigkeit, geringe Einkommenszuwächse |
| steigende Umsätze und Gewinne, sinkende Lagerbestände | sinkende Umsätze, höhere Lagerbestände |
| steigende Preise (Inflation) | geringe Preissteigerungen |
| positive Börsenstimmung und Beurteilung der Lage | sinkende Kurse, negative Beurteilung |
- EZB erhöht die Leitzinsen, verknappt Liquidität (z. B. Mindestreserve)
- Staat spart, senkt Ausgaben und Subventionen, erhöht ggf. Steuern
- Kredite werden teurer → Nachfrage nach Immobilien und Krediten sinkt
- EZB senkt die Leitzinsen, stellt Liquidität bereit
- Staat investiert, senkt Steuern, zahlt Subventionen/Förderungen
- Kredite werden billiger → Investitionen und Immobilienkäufe werden attraktiver
- Im Aufschwung steigen Einkommen und Kreditnachfrage; Banken vergeben bereitwilliger Kredite, die Zinsen ziehen an.
- Im Abschwung steigen Arbeitslosigkeit und Ausfallrisiken: Banken prüfen strenger, verlangen mehr Eigenkapital und höhere Risikoaufschläge; die Bereitschaft zur Kreditvergabe sinkt, obwohl die Leitzinsen fallen.
- Sinkende Mieten und Immobilienpreise im Abschwung mindern den Wert der Sicherheiten.
Geld- und Notenbankpolitik
- Für Deutschland zuständig ist die Europäische Zentralbank (EZB). Das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) wird von den Beschlussorganen der EZB geleitet.
- Vorrangiges Ziel: Preisstabilität (Art. 282 AEUV / Art. 127 AEUV); daneben unterstützt das ESZB die allgemeine Wirtschaftspolitik in der EU.
- Weitere Aufgaben: Geldpolitik, Banknoten, Devisengeschäfte, Statistik, Portfoliomanagement, Aufsicht über bedeutende Kreditinstitute, Zahlungssysteme, Stabilität des Finanzsystems.
- kurz- bis mittelfristige Preisentwicklung
- Löhne und Gehälter, Wechselkurse, langfristige Zinsen
- fiskalpolitische Indikatoren, Preis- und Kostenindizes
- Verbraucher- und Unternehmensumfragen
- Entwicklung der Geldmenge
- Umlaufgeschwindigkeit des Euro
- Kreditentwicklung
- mittel- bis langfristige Inflationsrisiken
- Seit der Strategieüberprüfung 2021 strebt die EZB ein symmetrisches Inflationsziel von 2 % auf mittlere Sicht an (früher „unter, aber nahe 2 %“). Die beiden Säulen heißen heute wirtschaftliche Analyse und monetäre und finanzielle Analyse.
- Leitzinsen: Nach Senkungen 2024/2025 hat die EZB am 10.09.2026 die Zinsen wieder um 0,25 Prozentpunkte erhöht: Einlagefazilität 2,50 %, Hauptrefinanzierungssatz 2,65 % (Quelle: biallo.de, Stand September 2026). Für die Prüfung zählt das Prinzip, nicht der Tageswert.
- Mindestreserve: Satz 1 %; seit 20.09.2023 wird sie nicht mehr verzinst (die Unterlage sagt noch „verzinslich“).
Bankenaufsicht und internationale Vereinbarungen
- Basel I · 1988Reaktion auf den „Schwarzen Montag“ (19.10.1987): Kredite müssen mit mindestens 8 % Eigenkapital unterlegt werden.
- Basel II · 2004Drei Säulen: Mindestkapitalanforderungen (Kredit-, Markt-, operationelles Risiko; Ratings, interne Modelle), aufsichtlicher Überprüfungsprozess, Marktdisziplin (Offenlegung).
- Basel III · nach der Finanzkrise 2008strengere Definition und mehr hartes Eigenkapital, bessere Risikodeckung, Liquiditätsregeln, Vorgaben zu Bewertung, Führungsstruktur und Vergütung. Folge für Verbraucher: Kredite werden tendenziell teurer.
- Basel IVrisikosensiblere Standardansätze, Output Floor: Kapitalanforderung mindestens 72,5 % des Standardansatzes; keine internen Modelle mehr für operationelle Risiken.
In der EU gilt „Basel IV“ über die überarbeitete Eigenkapitalverordnung (CRR III) seit dem 1.1.2025; der Output Floor steigt schrittweise von 50 % auf 72,5 % bis 2030.
Wirtschafts- und Fiskalpolitik
Markteingriffe des Staates in den Immobilienmarkt
| Instrument | Regel |
|---|---|
| Wartefrist | Miete bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete erhöhen erst, wenn sie 15 Monate unverändert war (§ 558 BGB) |
| Kappungsgrenze | höchstens 20 % in 3 Jahren; in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt können die Länder sie auf 15 % senken |
| Mietpreisbremse (seit 1.6.2015) | bei Neuvermietung in angespannten Gebieten höchstens 10 % über der ortsüblichen Vergleichsmiete |
Die Mietpreisbremse wurde 2025 bis zum 31.12.2029 verlängert.
Einflüsse auf das Zinsniveau
- Leitzinsen der EZB: bestimmen vor allem kurzfristige Zinsen und variable Darlehen
- Kapitalmarktrenditen (Pfandbriefe, Bundesanleihen mit 10 Jahren Laufzeit): Richtschnur für Baufinanzierungen mit Zinsbindung
- Inflation und Inflationserwartung: Geldgeber verlangen einen Ausgleich für den Kaufkraftverlust
- Konjunktur und Kreditnachfrage, Staatsverschuldung, internationale Kapitalströme
- Laufzeit: normalerweise sind lange Zinsbindungen teurer (normale Zinsstruktur); bei inverser Zinsstruktur umgekehrt
- Bonität, Beleihungsauslauf, Sicherheiten: individuelle Risikoaufschläge
Grundlagen der Verzinsung
Übungsfragen
Wie in der IHK-Prüfung: etwa 70 % Einfachauswahl, 30 % Mehrfachauswahl (☑, Punkt nur bei vollständig richtiger Auswahl). Nach jeder Antwort erscheinen Lösung, Erklärung und der passende Lernstoff.
Kennzeichnung: WBT … = aus deinen Unterlagen · Rahmenplan = Prüfungsstoff laut DIHK-Rahmenplan, Inhalt ergänzt · Extern = nicht aus deinen Unterlagen (typische IHK-Themen, aktuelle Werte).
Rechner
Werte ändern: alles rechnet sich sofort neu. Die Beispiel-Knöpfe laden die Zahlen aus dem Lernstoff.
Annuitätenrechner mit Tilgungsplan
Eingaben
Ergebnis
Mini-Prüfung
5 Fragen, Auswertung am Ende
Wie in der Prüfung: keine Lösung zwischendurch. Mindestens 4 / 5, damit das Kapitel als „sitzt“ zählt.