Finanzierungsanlässe und Kreditprodukte
Rahmenplan 3.1, 3.2 · Annuitäten-, Fest-, Tilgungsdarlehen, Vor-/Zwischenfinanzierung, Forward, variabel/Cap, Policen- und Fremdwährungsdarlehen.
Kurz & knapp
- Anschlussfinanzierung: Prolongation (eigene Bank) oder Umschuldung (fremde Bank).
- Annuität: konstante Rate, Zinsanteil sinkt, Tilgungsanteil steigt um ersparte Zinsen; Risiko Restschuld + Zinsänderung.
- Festdarlehen (endfällig): nur Zinsen, Tilgung am Ende über Tilgungsersatz (Bauspar, Sparplan, Fonds, LV); höchste Zinskosten; beliebt bei Kapitalanlegern.
- Konstantdarlehen = tilgungsfreies Darlehen + Bausparvertrag → gleichbleibende Belastung.
- Tilgungsdarlehen: gleiche Tilgung, sinkende Zinsen und Raten; geringste Zinskosten, höchste Anfangsbelastung.
- Vorfinanzierung: Bausparvertrag noch nicht angespart · Zwischenfinanzierung: angespart, Bewertungszahl fehlt.
- Forward: Zins bis 60 Monate im Voraus sichern, keine Bereitstellungszinsen, Aufschlag, Abnahmepflicht.
- Cap: Zinsobergrenze (Prämie), Floor: Untergrenze; Basis 3-Monats-EURIBOR; variabel kündbar mit 3 Monaten (§ 489 Abs. 2).
- Policendarlehen: bis zum Rückkaufswert, keine Bonitätsprüfung, kein Schufa-Eintrag.
Finanzierungsanlässe
Anschlussfinanzierung: Prolongation = Verlängerung beim eigenen Institut; Umschuldung = Wechsel zu einem fremden Institut für ein bestehendes Immobiliar-Verbraucherdarlehen.
Annuitätendarlehen
Die Höhe der Rate (Annuität) bleibt während der Sollzinsbindung gleich. Sie besteht aus Zins- und Tilgungsanteil. Mit jeder Rate sinkt die Restschuld, damit der Zinsanteil; der Tilgungsanteil steigt um die „ersparten“ Zinsen. Am Ende der kalkulatorischen Laufzeit ist das Darlehen vollständig getilgt.
| Jahr | Restschuld Anfang | Zinsen 6 % | Tilgung | Annuität |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 120.000,00 € | 7.200,00 € | 1.200,00 € | 8.400,00 € |
| 2 | 118.800,00 € | 7.128,00 € | 1.272,00 € | 8.400,00 € |
| 3 | 117.528,00 € | 7.051,68 € | 1.348,32 € | 8.400,00 € |
| 4 | 116.179,68 € | 6.970,78 € | 1.429,22 € | 8.400,00 € |
| 5 | 114.750,46 € | … | … | 8.400,00 € |
- gleichbleibende Rate während der Zinsbindung: gut planbar
- Zinssicherheit bis zum Ende der Sollzinsbindung
- klassische Form der Baufinanzierung, auch als Volltilger (Laufzeit = Zinsbindung)
- am Ende der Zinsbindung bleibt oft eine Restschuld → Zinsänderungsrisiko bei der Anschlussfinanzierung
- bei niedrigem Zins und niedriger Tilgung sehr lange Laufzeit
- Tilgung anfangs gering: Schuld sinkt langsam
Zinszahlungsdarlehen / Festdarlehen
| Jahr | Restschuld | Zinsen | Tilgung | Rate |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 200.000 € | 10.000 € | 0 € | 10.000 € |
| 2 … 19 | 200.000 € | 10.000 € | 0 € | 10.000 € |
| 20 | 200.000 € | 10.000 € | 200.000 € | 210.000 € |
| Summe | 200.000 € | 200.000 € | 400.000 € |
- Funktionsweise: nur Zinszahlungen, Tilgung am Ende in einer Summe (auch „endfälliges Darlehen“).
- Tilgungsersatzmittel: Bausparvertrag, Banksparplan, Fondssparplan, Kapitallebens- oder Rentenversicherung; sie werden verpfändet bzw. abgetreten.
- Einsatz: Kombination mit einem Bausparvertrag (Bankdarlehen tilgungsfrei, die gesparte Liquidität bespart den Bausparvertrag; nach Zuteilung löst das Bauspardarlehen das Bankdarlehen ab), Vor- und Zwischenfinanzierung, Kapitalanleger (die gleichbleibend hohen Zinsen sind Werbungskosten).
- Risiken: höchste Zinskosten aller Darlehensarten; die Tilgung hängt vom Erfolg des Tilgungsersatzmittels ab (Fonds können schwanken → Deckungslücke); das Zinsänderungsrisiko betrifft bei Prolongation die volle Darlehenssumme.
Tilgungsdarlehen
| Jahr | Restschuld | Zinsen | Tilgung | Rate |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 100.000 € | 6.000 € | 10.000 € | 16.000 € |
| 2 | 90.000 € | 5.400 € | 10.000 € | 15.400 € |
| 3 | 80.000 € | 4.800 € | 10.000 € | 14.800 € |
| … | … | … | … | … |
| 10 | 10.000 € | 600 € | 10.000 € | 10.600 € |
| Summe | 33.000 € | 100.000 € | 133.000 € |
Die drei Grundformen im Vergleich
Vor- und Zwischenfinanzierung
- Bausparvertrag ist noch nicht oder nur teilweise angespart (Mindestguthaben fehlt)
- Bank gibt sofort das Geld als tilgungsfreies Darlehen
- Kunde zahlt Zinsen und bespart den Bausparvertrag weiter
- bei Zuteilung löst die Bausparsumme den Kredit ab
- Mindestguthaben und Mindestsparzeit sind erreicht, aber die Mindestbewertungszahl noch nicht
- überbrückt die Zeit bis zur Zuteilung (Solidarprinzip: hängt von den anderen Bausparern ab)
- ebenfalls tilgungsfrei, nur Zinsen
- außerdem: Überbrückung bis zum Verkauf der alten Immobilie, bis Fördermittel oder eine Lebensversicherung ausgezahlt werden
Während der Bauphase müssen Handwerker bezahlt werden, bevor das Darlehen (nach Baufortschritt) ausgezahlt ist. Dafür wird oft ein Baukonto wie ein Kontokorrentkredit eingerichtet: kurzfristig, mit höheren Bauzeitzinsen, die in der Planung zu berücksichtigen sind.
Forward-Darlehen
Ein Forward-Darlehen sichert heute schon einen Zins für eine Finanzierung in der Zukunft.
- steigende Zinsen erwartet werden
- die Zinsbindung bald ausläuft und Planungssicherheit gewünscht ist
- meist für Umschuldung / Anschlussfinanzierung eingesetzt
- fallen die Zinsen bis zur Auszahlung, zahlt der Kunde mehr als bei einer Finanzierung zum dann aktuellen Zins
- Abnahmepflicht: kein Ausstieg ohne Entschädigung
Variabler Zins, Cap- und Floor-Darlehen
- passt sich dem allgemeinen Zinsniveau an; interessant bei sehr hohem Zinsniveau, weil die Belastung bei fallenden Zinsen sinkt
- Anpassung nur an einen objektiven, transparenten Referenzwert (z. B. EURIBOR oder ein Index), zu festen Anpassungsterminen (z. B. vierteljährlich, 6 oder 12 Monate)
- EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate): durchschnittlicher Zins, zu dem sich europäische Banken Geld leihen; seit 1.11.2013 für 8 Laufzeiten (1 und 2 Wochen, 1, 2, 3, 6, 9, 12 Monate)
- jederzeit kündbar mit 3 Monaten Frist (§ 489 Abs. 2 BGB) → gut bei erwarteten Zuflüssen (Erbschaft, Verkauf, Abfindung)
- Banken lassen sich das höhere Risiko ggf. über einen Zinsaufschlag bezahlen
- Einsatz: wenn fallende Zinsen erwartet werden, bei hohen Zinsen, wenn Flexibilität gewünscht ist (Kündigung mit 3 Monaten Frist, § 489 Abs. 2 BGB); früher auch bei Kommunaldarlehen. In Niedrigzinsphasen kaum empfehlenswert.
- Kosten: einmalige Cap-Prämie (abhängig von Höhe des Caps und Laufzeit) plus Aufschlag auf den Referenzzins.
- Vorteile: profitiert von sinkenden Zinsen, begrenztes Risiko nach oben, jederzeit ablösbar.
- Risiken: bis zum Cap kann der Zins stark steigen; die Rate schwankt; die Prämie ist verloren, wenn der Cap nie greift.
Policendarlehen
- kein Ausfallrisiko für den Versicherer → günstige Zinsen
- keine Bonitätsprüfung, kein Schufa-Eintrag
- Vertrag muss nicht gekündigt werden
- Höhe auf den Rückkaufswert begrenzt: für eine Immobilie meist nur ein Baustein
- mindert die spätere Versicherungsleistung, wenn nicht zurückgezahlt
- Kosten über Zinsen bzw. höhere Beiträge
Fremdwährungsdarlehen
- Darlehen in einer anderen Währung als der des Einkommens (z. B. Schweizer Franken): anfangs oft niedrige Zinsen, aber Wechselkursrisiko: steigt die Fremdwährung, steigt die Schuld in Euro.
- Die Werbung braucht einen Warnhinweis; der Darlehensgeber muss den Kunden regelmäßig informieren, besonders wenn sich der Wert der Restschuld oder der Raten um mehr als 20 % verändert.
- Der Kunde hat ein Recht auf Umwandlung in die Landeswährung (§ 503 BGB).
Übungsfragen
Wie in der IHK-Prüfung: etwa 70 % Einfachauswahl, 30 % Mehrfachauswahl (☑, Punkt nur bei vollständig richtiger Auswahl). Nach jeder Antwort erscheinen Lösung, Erklärung und der passende Lernstoff.
Kennzeichnung: WBT … = aus deinen Unterlagen · Rahmenplan = Prüfungsstoff laut DIHK-Rahmenplan, Inhalt ergänzt · Extern = nicht aus deinen Unterlagen (typische IHK-Themen, aktuelle Werte).
Rechner
Werte ändern: alles rechnet sich sofort neu. Die Beispiel-Knöpfe laden die Zahlen aus dem Lernstoff.
Darlehensarten im Kostenvergleich
Eingaben
Ergebnis
Mini-Prüfung
5 Fragen, Auswertung am Ende
Wie in der Prüfung: keine Lösung zwischendurch. Mindestens 4 / 5, damit das Kapitel als „sitzt“ zählt.